Verein für die Geschichte Küstrins e.V.

100 Jahre Verein für die Geschichte Küstrins

Bericht über eine Jubiläumsveranstaltung

 

In: Königsberger Kreiskalender 2002

Als im Jahre 1901 der Verein für die Geschichte Cüstrins gegründet wurde, feierte Preußen gerade sein 200jähriges Jubiläum. So lag es nahe, dass sich der Verein zu diesem Jubiläum die Aufgabe stellte, an den Aufenthalt des großen Preußenkönigs, Friedrichs II, dessen Leben so schicksalhaft mit Küstrin verbunden war, in würdevoller Weise zu erinnern.
Von den damaligen Vereinsgründern, Hauptmann Noël, Rechtsanwalt Kyritz, Bürgermeister Securius, Direktor Dr. Haase u.a. wurde im Schloß ein Friedrichszimmer eingerichtet, welches später zum Friedrichsmuseum erweitert wurde.
In den Räumlichkeiten wurden an Friedrich den Großen erinnernde historische Gegenstände wie Waffen, Uniformen, Ausrüstungen, Orden, Urkunden u.a. ausgestellt, die von jedermann besichtigt werden konnten. Bereits ein Jahr nach der Gründung zählte der Verein schon 99 eingetragene Mitglieder.

Zu den ersten Initiativen des Vereins zählte auch die Enthüllung von drei Denkmälern am 24.Oktober 1903, die an den langjährigen Aufenthalt bedeutender Hohenzollern erinnern sollten. Es handelte sich um folgende Denkmäler:

  1. Bronzedenkmal des Markgrafen Johann (1513-1571) auf der Schloßfreiheit
  2. Denkmal des Großen Kurfürsten als Kurprinz (1620-1688) auf dem Schloßhof
  3. Marmorherme Friedrichs II (1712-1786) im Friedrichsmuseum

Kaiser Wilhelm II war zu diesem Festtag in Küstrin.
Des weiteren ist die Einweihung eines Gedenksteines für Leutnant von Falkenhayn an der Odervorflutbrücke zu nennen. Der Stein wurde am 20. März 1914 eingeweiht und erinnerte an ein Gefecht zwischen einer Vorausabteilung der Franzosen mit einer Abteilung der Preußen im Jahre 1806 an der Torschreiberbrücke.

So wurde die Geschichte Küstrins durch den Verein gepflegt und bewahrt bis ins schicksalhafte Jahr 1945. Mit dem Untergang der Stadt Küstrin ging auch die geschichtliche Sammlung unter. Die Mitglieder des Vereins waren, wenn nicht tot, so doch in alle Winde zerstreut. Den Verein für die Geschichte Cüstrins gab es nicht mehr.

Nach der Wende, im Jahre 1994 fanden sich einige geschichtsbewußte Küstriner Bürger zusammen, die sich nicht damit abfinden wollten, daß ihre alte geschichtsträchtige Heimatstadt der Vergessenheit anheim fallen sollte und gründeten den "Verein für die Geschichte Küstrins" neu. Als wichtigste Aufgabe des Vereins wurde die Förderung des Heimatgedankens und der Völkerverständigung sowie die Erforschung der Geschichte Küstrins und deren Aufarbeitung in der Satzung festgeschrieben. Seitdem gab es viele Aktivitäten, wie Sammlung und Aufbewahrung von historischen Gegenständen, Herausgabe von Bildbänden über Küstrin, Bergung des in der Odervorflut verschütteten Falkenhayn-Denkmals und Neueinweihung desselben sowie nicht zuletzt die schon zum fünften Male durchgeführten Küstriner Festungstage. Gerade durch diese Festungstage, an denen jedes Mal weit über 100 Teilnehmer zu verzeichnen waren, wurde die Erinnerung an die alte Garnisons- und Festungsstadt Küstrin wachgehalten und den Besuchern das furchtbare Schicksal der 1945 fast völlig zerstörten Stadt nahegebracht.

Höhepunkt in diesem Jahr war die Würdigung des 100jährigen Bestehens des Vereins für die Geschichte Cüstrins. Das neu hergerichtete Kulturhaus von Küstrin-Kietz gab den festlichen Rahmen, als sich viele Küstriner aus nah und fern sowie andere heimatverbundene Bürger am Sonntag, dem 29. April 2001, zum festlichen Akt trafen.

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Die Festveranstaltung begann mit einem einfühlsamen Gottesdienst, der von Pfarrer Thomas Jabs aus dem Pfarrsprengel Gorgast gehalten wurde. Umrahmt und begleitet wurde der Gottesdienst durch den Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Küstrin-Kietz und durch Sängerinnen aus Kostrzyn, die mit ihren schönen Stimmen eine beeindruckende Wirkung erzielten und so auch symbolisch unsere gemeinsame Zukunft dokumentierten.
Nachdem Martin Rogge, der Vorsitzende des Vereins, die Festveranstaltung mit einleitenden Worten eröffnet hatte, trat als Hauptredner der derzeitige Vorsitzende der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag und ehemalige Landrat des Kreises Märkisch-Oderland, Gunter Fritsch an das Rednerpult. In seiner Rede fand er viele lobende Worte für die Aktivitäten des Vereins.

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Vom Autor der zu diesem Anlaß verfaßten Festschrift, Dr. Rudolf Herbert Tamm, wurden dann einige Ausführungen zu der Entwicklung des Vereins vor und nach 1945 gemacht und auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die es bereitet, heute von der völlig zerstörten Stadt noch geschichtliche Nachweise zu finden.
Dann gratulierten befreundete Vereine, wie der Heimatkreis Königsberg/Neumark, der Festungsverein Spandau, ein deutsch-polnischer Freundschaftsverein und die Vertreter der Stadtverwaltung Kostrzyn zum Jubiläum und überreichten historisch wertvolle Geschenke.

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Auch unser Bürgermeister, Bernd Korb, fand lobende Worte für den Verein mit seinem derzeitigen Vorsitzenden.
Nach dem Ende des offiziellen Teils wurde das kleine, aber hervorragend ausgestaltete Museum eröffnet. In fleißiger Arbeit waren hier historische Erinnerungsstücke aus Küstrin zusammengetragen und in ansprechender Weise ausgestellt. So konnte sich jeder Besucher über die Geschichte und Entwicklung unserer Stadt informieren.

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Über das Leben in Küstrin-Kietz während der fünfzigjährigen russischen Besatzungszeit hatte unser Vereinsmitglied Rudi Vogt ein informatives kleines Büchlein geschrieben, aus dem er vortrug und das zum Kauf angeboten wurde. Er half damit, eine Lücke in der Geschichte unserer Stadt zu schließen, denn aus dieser Zeit ist bisher kaum etwas in die Öffentlichkeit gedrungen.
In den oberen Räumen war dann noch eine Ausstellung von Bildern mit herrlichen Küstriner Ansichten zu sehen, die von dem Maler Manfred Zickert aus Küstrin-Kietz gestaltet war, und die seine Liebe zu unserer Heimatstadt offenbarte.
Als krönender Abschluß dieses festlichen Tages wurde dann noch eine Dampferfahrt auf der Oder durchgeführt, die uns unsere wunderschöne märkische Landschaft aus der Perspektive des heimatlichen Stromes darbrachte.

Alle Helfer haben sich ein Lob und Dank verdient für die Vorbereitung und Durchführung dieser gelungenen Veranstaltung. Es war ein unvergeßlicher Tag ganz im Zeichen der Erinnerungen an unsere Heimatstadt Küstrin. Es war aber auch ein Blick in die Zukunft, denn solange es solch heimatverbundene Menschen gibt, ist Küstrin nicht vergessen und wird im Gedächtnis weiterleben.


Literatur:

  1. Tamm, R. H., Festschrift zur 100-jährigen Wiederkehr der Gründung des "Vereins für die Geschichte Cüstrins", 1. Auflage 2001
  2. Wernicke, H., Gedanken zur Gründung des "Vereins für die Geschichte Küstrins vor 100 Jahren", in Königsberger Kreiskalender 2000,

 

Rudolf Dawidowski