Verein für die Geschichte Küstrins e.V.

Die ehemalige Festungs- und Garnisonsstadt Küstrin

Küstrin war eine schöne Stadt. Sie ist im Zweiten Weltkrieg furchtbar zerstört worden und seitdem verläuft die deutsch-polnische Grenze mitten durch die Stadt. Selbst die Ruinen zeugen noch von altem Glanz. Wer diese Stadt in ihrer alten Schönheit kannte, wird verstehen, daß wir (ehemaligen) Küstriner weiter an dieser Stadt hängen und sie nicht in Vergessenheit geraten lassen wollen. Geschichte sollte dort studiert, erlebt und erfaßt werden, wo sie geschah. Es ist der "Genius loci", der seine Wirkung auf die Einwohner und Besucher entfaltet. Küstrin-Kietz mit seinen Ortsteilen Küstrin-Altstadt und Kuhbrückenvorstadt ist der am östlichsten gelegene Ort im Oderbruch unmittelbar an der Oder und an der EG-Grenze zu Polen. Vor 1945 bildete Küstrin-Kietz mit der heutigen polnischen Stadt Kostrzyn eine Einheit. Es ist die bekannte einstige brandenburg-preußische Festungs- und Garnisonsstadt Küstrin.

Wichtige Ereignisse in der Geschichte sind: erste urkundliche Erwähnung 1232, Markgraf Johannes von Hohenzollern 1535-1571, Bau der Festung 1537-68, Festungshaft des Kronprinzen Friedrich (später Friedrich II.) 1730-1732, Enthauptung Kattes 1730, französische Besetzung 1806-1814, Verkehrsknotenpunkt, Garnisonsstadt, Kampfhandlungen von 1945, Teilung in zwei Städte nach 1945.

Die völlig zerstörte Altstadt war inzwischen von meterhohem Schutt bedeckt bzw. durch starken Wildwuchs von Bäumen und Sträuchern verdeckt. 50 Jahre nach Kriegsende begannen die Polen das "deutsche Pompeji" auszugraben. Ein Teil deutscher Geschichte tritt wieder an das Licht der Öffentlichkeit. Straße für Straße kam zum Vorschein. Sowohl Treppen und Häusereingänge als auch Bürgersteige und Kellerfenster kamen ans Tageslicht. Die alten Bastionen und Kurtinen sind schon zum großen Teil ausgebessert. Freigelegt wurden auch unterirdische Teile der Festung, die Kasematten. Im Augenblick sind sie noch nicht alle gefahrlos zu begehen, was sich aber sicher noch ändern wird. Einer Besichtigung der Küstriner Altstadt und der Stadtbefestigung steht nichts mehr im Wege.

Jeder, der diese Zeilen liest, sollte sich auf den Weg machen. Das Ziel lohnt einen Besuch.

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Der Blick vom Kattewall auf den Oderstrom wird jedem unvergeßlich bleiben. Das Mahnmal Küstrin wird jeden Besucher erschüttern und die Sinnlosigkeit aller Kriege vor Augen führen. Leider sind die Polen nicht auf den Vorschlag unseres Vereins eingegangen, die Reste der zerstörten Altstadt als Flächenmahnmal zu erhalten. Eine organisierte und geordnete Begehung würde sicher mehr Touristen ins Land ziehen als die jetzt begonnene kitschige Bebauung. Die ersten erbauten Häuser passen sogar nicht in die Küstriner Landschaft. Sie sind weder im alten Stil wiederaufgebaut noch stehen sie auf den alten Fundamenten.

Die Landschaft am Zusammenfluß von Oder und Warthe hat ihre vielfältigen Reize. Die beiden Flüsse haben in den Jahrhunderten eine vielfältige Flora und Fauna geschaffen, die im Oderbruch und vor allem bei unseren polnischen Nachbarn im Warthebruch zu sehen sind. Das heutige Naturschutzgebiet Sonnenburg (Slonsk) ist mit 5.000 ha eines der größten Areale Mitteleuropas. Im heutigen westlichen Polen sind in der einst zu Brandenburg gehörenden Neumark viele kleine Ackerbürgerstädtchen, Dörfer und Gegenden mit einer oft reichhaltigen Geschichte zu entdecken. Der Grenzort Küstrin-Kietz ist gut zu erreichen mit der Eisenbahn auf der ehemaligen Ostbahn (im Stundentakt) und mit dem Reisebus oder Auto auf der Bundesstraße 1.

Seit dem 7. Januar 1994 gibt es wieder den Verein für die Geschichte Küstrins e.V. Der Verein sieht sich als Nachfolger des 1901 erstmals gegründeten Vereins, der bis zur Zerstörung Küstrins 1945 in dieser Stadt wirkte. Die Vereinsmitglieder fühlen sich seiner Tradition verpflichtet und wirken in seinem Sinne weiter. Wir stellen uns das Ziel, die Geschichte der Stadt und Festung in die Öffentlichkeit zu bringen und die bewegte und bewegende Nachkriegszeit, die bisher außerhalb des Ortes kaum dokumentiert ist für die künftigen Generationen aufzuschreiben und nacherlebbar zu machen.

Unsere erste Aktion war die Wiedererrichtung des Gedenksteines für Leutnant Wilhelm von Falkenhayn, an die Kämpfe des Jahres 1806 erinnernd, am 31. Oktober 1995. Dann folgte die Herausgabe des Bildbandes "Küstrin in alten Ansichten". Ein weiterer Gedenkstein wurde 1998 eingeweiht und es konnte der zweite Bildband der Öffentlichkeit präsentiert werden. Im Jahre 1999 ist in deutsch-polnischer Zusammenarbeit der zweisprachige Stadtplan Küstrin/Kostrzyn sowie eine Zeichnung der historischen Altstadt (1921) erschienen.

Die Durchführung der - Küstriner Festungstage - mit Besichtigung der Stadtbefestigung, Forts, Lünetten, Zwischenfelderbauten u.a. rücken die alte brandenburg-preußische Garnisonsstadt wieder ins Rampenlicht und wir können Gäste aus dem In- und Ausland begrüßen. Die Veranstaltung wird beiderseits der Oder wohlwollend zur Kenntnis genommen. Die Exkursionen finden infolge der Sachlage hauptsächlich auf polnischem Gebiet statt. Die Vorbereitungen auf polnischer Seite übernehmen unsere langjährigen Partner, in sie die Aufgabe von Einladungen, Logistik, Genehmigungen und Dolmetschern übernehmen. Die bereits bestehenden guten Kontakte zu unserem polnischem Nachbarn werden dabei vertieft. Demzufolge lag es auch nahe einen gemeinsamen Verein zu gründen. Unser Verein ist Gründungsmitglied des überregionalen polnisch-deutschen Verein Educatio Pro Europa Viadrina mit Sitz in Tamsel (Dabroszyn). Wir bemühen uns gemeinsam mit den polnischen Partnern in der Öffentlichkeitsarbeit und in einigen Vorhaben.

Die Fragen und das Interesse zu Küstrin werden immer mehr. Die größte Resonanz erhalten wir von älteren Einwohnern, Besuchern und Interessierten der brandenburg-preußischen Geschichte, aber auch Schulklassen konnten wir schon begrüßen. Ein besonderes Verhältnis zur Geschichte dieser Stadt haben ehemalige Soldaten, Flüchtlinge, Vertriebene usw., bei denen die Zeit des Jahres 1945 noch allgegenwärtig ist.

Exponate im Museum

Exponate im Museum

Wir sind weiter dabei Material zu sammeln, zu erfassen und in unserem Archiv aufzubewahren und dieses für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen. Unseren Gästen bieten wir Führungen durch die Stadt, eine Besichtigung unseres kleinen Museums, als auch Literatur, Karten und Ansichten zu Küstrin. Unser größtes Ziel aber bleibt die Einrichtung eines Museums über die Geschichte und Kultur Ostbrandenburgs in Küstrin-Altstadt (Oderinsel) in der denkmalgeschützten ehemals kaiserlichen Artilleriekaserne.